Der Sparhammer hat Lübecks Uni im Visier
Posted by Professor Recherche
Bildung, Bildung und nochmals Bildung schreiben sich die führenden Parteien in Deutschland seit gefühlten Jahrhunderten auf die Fahne, doch bei der Umsetzung hapert es nicht minder lange. Dass nun – im Zuge der nahezu flächendeckenden kommunalen Finanznot – nicht nur der Ausbau des universitären Bildungsangebots ausfallen, sondern sogar dessen Rückbau drohen könnte, stimmt dann doch gewaltig nachdenklich.
Konkret treffen soll es nun laut einem Artikel auf SPIEGEL.online die medizinische Fakultät der Universität Lübeck. Klar, Schleswig-Holstein ist extrem verschuldet und muss sparen. Dennoch muss die Frage lauten: Welche Investition kann in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen, die auf wissensbasierten Vorsprung in hohem Maße angewiesen ist, überhaupt noch zukunfts-förderlich sein, wenn nicht die in Lehre und Forschung? Oder anders gefragt: Ist es nicht so, dass ein Land, das aus Finanznot heute am Bildungsangebot spart, schon morgen überhaupt keine Überlebenschance mehr haben wird?
Ein Teil der Lösung in Lübeck soll es nun sein, die medizinische Bildung in die Hand finanzkräftiger Investoren zu legen. Glückwunsch!!!, möchte man rufen, doch der Gedanke an das strukturelle und personelle Chaos, das derartige Ausgliederungen in den letzten Jahren – gerade auch in der Medizin – hinterlassen haben, lässt jeglichen Frohsinn vermissen. Fragen wir doch einfach mal nach bei der Krankenschwester, deren ehemals städtisches Krankenhaus sich nun in der Hand privater Investoren befindet. Sie wird vor Müdigkeit leider nicht antworten können.
Kurzum: Es ist leider so, Deutschland ist zu weiten Teilen völlig pleite, was auf kommunaler Ebene nun womöglich die nächste Spar-Runde auslöst wird. An Bädern, Hallen, Museen etc. lassen sich die Kosten jedenfalls kaum noch eindämmen. Diese wurde ja bereits in der ersten Runde geschlossen. Armes Deutschland!
Karriereziel Wurstbude
Posted by Professor Recherche
Ja verdammt, warum denn eigentlich nicht?, fragt man sich fast zwangsläufig als aufmerksamer Leser des Artikels “Kann das Glück eine Worschtbude sein?” von Autor Tobias Schormann, unlängst erschienen auf SPIEGEL.online. Geschildert wird hier der nicht ganz alltägliche Gegenentwurf eines selbstständigen Imbissbetreibers zu seinem früheren Leben als Investmentbanker im Herzen von Frankfurt am Main.
Geographisch hat sich dabei im Berufsleben von Thomas Brauße kaum etwas geändert, schließlich befindet sich der Imbiss ebenfalls inmitten des Frankfurter Finanz-Districts, doch sein Blickwinkel ist knapp anderthalb Jahre nach dem krisenbedingten Jobverlust als Banker ein ganz anderer. “Ich bin zufriedener als früher”, wird er im Artikel zitiert, “weil ich mich mehr mit meinem Job identifizieren kann.”
Rumms, das sitzt, denn Brauße war nach gut zwölf Jahren in der Finanzbranche mit sechsstelligem Jahreseinkommen alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Ein Karrierist eben, von dem man annehmen möchte, dass er sich in Anzug und Lackschuh im Grunde am Ziel gewähnt haben sollte. Dass es nicht nur anders geht, sondern offenbar auch besser, ist angesichts des sozialen und womöglich finanziellen Abstiegs zum Wurstbräter zunächst nicht einleuchtend.
Hält man sich jedoch die Entwicklung der letzten Jahre an den globalen Finanzmärkten vor Augen, die nach dem immensen Crash 2008 nun – im Zuge der Euro-Krise – sogar ganze Staaten in den Abgrund treiben könnte (Stand: 9. Mai 2010), nimmt Braußes real gewordene Sehnsucht nach ehrlicher Arbeit mehr als nur Kontur an. Recht hat er!









