Gibt es eigentlich ein Problem?
Posted by Professor Recherche
Zuweilen wird ja behauptet, das deutsche Bildungssystem könne mit einem Blick über den Tellerrand hinaus drastisch an Attraktivität gewinnen. Es fehlte bislang lediglich die konkrete Blickrichtung, doch – England sei Dank – wissen wir seit einigen Tagen mehr. Die durch Wirtschaftskrise und WM-Sommer ohnehin traumatisierte Bildungselite des Landes verliert derzeit angesichts wohl drastisch steigender Studiengebühren endgültig die Fassung. Wütende Proteste und fliegende Steine machten unlängst noch nicht einmal mehr vor dem königlichen Fuhrpark Halt. Prinz Charles und Camilla höchstselbst traf es, als sie, gerade auf dem Weg ins Theater, einer Horde aufgebrachter Demonstranten in die Quere kamen. Das Gute vorweg: Die Insassen blieben unversehrt. Nur der Wagen ist hin, wobei sich das geschundene Stück Blech, auch dank seiner medialen Präsenz, zum alles überstrahlenden Symbol der Protestbewegung entwickeln dürfte.
Nun ist Gewalt bekanntlich keine Lösung, doch Gründe für studentische Gegenwehr gibt es auf der Insel reichlich. Beträchtlich mehr jedenfalls als in Deutschland, möchte man meinen, wo sich die Bildungsdebatte vor wenigen Jahren bereits an der Einführung von rund 1.000 Euro Studiengebühr pro Jahr entzündete. Um ungefähr denselben Betrag geht es nun auch in England, jedoch pro Monat, was für Eltern und Studierende eine gewaltige Mehrbelastung bedeuten würde. Noch ist nichts beschlossen, doch die Sache ist politisch längst auf den Weg gebracht, maximal 10.700 Euro pro Jahr und Student stehen an. Aus deutscher Sicht ergibt sich hieraus fast schon die moralische Verpflichtung, den Ball in Zukunft deutlich flacher zu halten. Angesichts dessen, was – ganz offensichtlich – in anderen Nationen möglich ist, geht es uns doch noch ganz gut. Oder?
Ein entsprechender Artikel ist am 09. Dezember 2010 auf ZEIT-online erschienen, hier ist der Link…
Deutsche Schüler auf dem Weg nach Pisa
Posted by Professor Recherche
Es verdichten sich die Anzeichen, dass aus den diversen PISA-Schocks der Vergangenheit doch noch eine Erfolgsgeschichte werden könnte. Denn: Deutschlands Schüler haben im internationalen Vergleich aufgeholt, entsprechende Zahlen werden/wurden am 07. Dezember 2010 veröffentlicht. SZ-Redakteur Tanjev Schultz berichtet neben den – formal positiven – Erscheinungen der neuesten Daten jedoch von Begleiterscheinungen, die – ähnlich der Medizin – im Verdacht stehen, das Klassenziel deutlich zu verfehlen. So habe mit Blick auf die neuen Druckverhältnisse an deutschen Schulen der Begriff “Burn-out” längst Einzug in die Klassenzimmer der Republik gehalten.
Gleichzeitig führe die sukzessive Dramatisierung der deutschen Bildungsverhältnisse mittlerweile zu ausschweifendem Kuhhandel zwischen Eltern und Lehrern. Es geht hierbei um Noten, möglichst um gute, schließlich solle wenigstens das eigene Kind den Anschluss an die internationale Bildungselite nicht verpassen. Ein Dreier in Betragen oder ein Vierer in Mathe kann da natürlich hinderlich sein.
Nun wird in diesem Zusammenhang glücklicherweise (noch) nicht von käuflichen Lehrern berichtet, die den satten Vierer noch in einen schlechten Zweier uminterpretieren. Doch wer hätte vor Jahren gedacht, dass die Fußball-WM 2022 in einem vorgeheizten Mini-Backofen namens Katar stattfinden würde? Niemand natürlich, daher darf man durchaus gespannt sein, welche Nebenwirkungen der neue Bildungsstandort Deutschland noch mit sich bringt.
Zum Original-Artikel geht es hier…







