Karriereziel Wurstbude
Posted by Professor Recherche
Ja verdammt, warum denn eigentlich nicht?, fragt man sich fast zwangsläufig als aufmerksamer Leser des Artikels “Kann das Glück eine Worschtbude sein?” von Autor Tobias Schormann, unlängst erschienen auf SPIEGEL.online. Geschildert wird hier der nicht ganz alltägliche Gegenentwurf eines selbstständigen Imbissbetreibers zu seinem früheren Leben als Investmentbanker im Herzen von Frankfurt am Main.
Geographisch hat sich dabei im Berufsleben von Thomas Brauße kaum etwas geändert, schließlich befindet sich der Imbiss ebenfalls inmitten des Frankfurter Finanz-Districts, doch sein Blickwinkel ist knapp anderthalb Jahre nach dem krisenbedingten Jobverlust als Banker ein ganz anderer. “Ich bin zufriedener als früher”, wird er im Artikel zitiert, “weil ich mich mehr mit meinem Job identifizieren kann.”
Rumms, das sitzt, denn Brauße war nach gut zwölf Jahren in der Finanzbranche mit sechsstelligem Jahreseinkommen alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Ein Karrierist eben, von dem man annehmen möchte, dass er sich in Anzug und Lackschuh im Grunde am Ziel gewähnt haben sollte. Dass es nicht nur anders geht, sondern offenbar auch besser, ist angesichts des sozialen und womöglich finanziellen Abstiegs zum Wurstbräter zunächst nicht einleuchtend.
Hält man sich jedoch die Entwicklung der letzten Jahre an den globalen Finanzmärkten vor Augen, die nach dem immensen Crash 2008 nun – im Zuge der Euro-Krise – sogar ganze Staaten in den Abgrund treiben könnte (Stand: 9. Mai 2010), nimmt Braußes real gewordene Sehnsucht nach ehrlicher Arbeit mehr als nur Kontur an. Recht hat er!








